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ARTIKEL
NZZ 10. März 2017

Hüter der Erinnerung

Lieblingsdinge werfen auch nach dem
Tod ihres Besitzers einen auratischen Schatten. Sie erzählen Geschichten von
den Widersprüchen des Lebens, von grosser Liebe und längst untergegangenen Welten.
Von Seraina Kobler (Text) und
Simon Tanner (Bilder)




Foto: NZZ / 2017

Auszug aus dem Artikel:

Das Haus von Granny

Auch die Familie der Schweizer Schriftstellerin Irène Speiser musste das Haus ihrer Grossmutter räumen. Über siebzig Jahre lang hatte diese dort gelebt. Um die Reste ihres Lebens zu bewahren, fotografiert die Enkelin jeden Winkel des Jugendstilbaus. Die Erinnerungen, welche sie mit dem Garten, den Räumen und den Gewohnheiten ihrer Grossmutter, die sie liebevoll Granny nennt, verbindet, beschreibt sie in ihrem Buch ‚Hausauflösung’.
Speiser betrauert nicht nur den Tod der Grossmutter, sondern auch eine Welt, die, obwohl längst untergegangen, von dieser noch immer in den Räumen  konserviert wurde. Vielleicht beschreiben die Rituale, die dort gepflegt wurden, dies besser als Möbel.  So war es etwa für die beiden Gatten selbstverständlich, das Mittagessen gemeinsam einzunehmen. Und hie und da ’’traf man sich noch nachmittags, zum Kaffee, oder mit anderen Paaren aus akademischem Milieu zum Thé Dansant’’, heisst es im Buch. Auch als der Ehemann nicht mehr lebte, und die Kinder längst weggezogen waren, blieb die disziplinierte Tagesstruktur bestehen. ’’Die Stunden liederlich dahinplätschern zu lassen oder sich impulsiv eine Bequemlichkeit zu gönnen’’, das war der alten Dame fremd. Speiser ist überzeugt, dass ihr unter anderem auch dies half, ein hohes Alter zu erreichen.
Je intensiver die verstorbene Person in den Räumen weiterlebt, desto schwieriger wird es. ’’Die Gegenstände stehen schon derart lange beieinander, dass sie aufeinander nicht verzichten können...’ schreibt Speiser.  Besonders am Herzen liegen ihr heute das  hölzerne Relief einer indischen Gottheit und eine Geige. Beide haben einen Platz in ihrer eigenen Wohnung erhalten. Anderes wiederum musste weichen. Wie die Kristallgläser, welche für die Spülmaschine zu unpraktisch sind, oder eines Silber.

 


ARTIKEL
Süddeutsche Zeitung, 8./9. Januar 2017

Weg damit
Von Johan Schloemann

‚Die Gegenstände stehen schon derart lange beieinander, dass sie aufeinander nicht verzichten können.'
(aus ‚Hausauflösung').



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